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Der überzeugte Fleischesser

21 Jul

Ich bin kein Vegetarier. Ich bin es nie gewesen und aller Wahrscheinlichkeit nach, werde ich es auch nicht so bald werden. Tofuwürste und Sojaschnitzel finde ich, ehrlich gesagt, lächerlich. Veganer habe ich bis vor ein bis zwei Jahren als durchgeknallte Spinner betrachtet. Auch heute noch bin ich der Meinung, dass man die Welt nicht besser macht, wenn man seine Kuchen mit industriellem Ei-Ersatz (meistens bestehend aus Stärke, Cellulose und Pflanzenöl) backt, weil man unbedingt auf jegliches Tierprodukt verzichten möchte. Ich bin überzeugter Fleischesser.

Dabei habe ich eigentlich alles versucht, um das zu ändern. Wer sich mit der Herkunft und der Produktion seiner Lebensmittel außeinandersetzen will, kommt man kaum um einige „Standardwerke“ herum. In Büchern wie „Eating Animals“ und „Anständig Essen“ haben die Autoren (i.d.F. Jonathan Safran Foer, Karin Duwe) viel Zeit indetaillierte Recherche und deren leserfreundliche Aufarbeitung investiert, so dass man schnell einen ziemlich guten Überblick über die Produktion tierischer Lebensmittel (hauptsächlich Fleisch) bekommt. Das heißt im Klartext: Man wird seitenweise schockiert, man empört sich, letztendlich ist man frustriert. Noch eindrücklicher, weil bildgewaltiger gestalten sich in diesem Zusammenhang Filme wie „Food inc.“, „Good Food Bad Food“, „We feed the World“ etc.. Kein halbwegs vernünftiger Mensch kommt dann noch umhin zu erkennen, dass Massenproduktion keine guten Produkte liefert. Weder was Qualität noch was einen ethisch korrekten Umgang mit dem entsprechenden Vieh geht. Was da wie genau falsch läuft würde an dieser Stelle natürlich zu weit führen. Die Auseinandersetzung mit diesem Thema führte auch bei mir zu einer Neubewertung des eigenen Fleischessens.

Fleisch aus Massenproduktion ist schlecht. Also muss es Fleisch aus traditioneller, nachhaltiger Zucht sein. Das ist teurer, weil es länger dauert, mehr Platz braucht und weniger effizient ist. Außerdem kann die heute bestehende Nachfrage mit so produziertem Fleisch wohl kaum befriedigt werden. Das bedeutet, dass man den Konsum reduzieren muss. Dann kann man sich die teureren Produkte auch eher leisten (Nicht fünf Stück Fleisch à 3 Euro, sondern zwei à 7,50). In letzter Konsequenz wird für denGenuss von Fleischprodukten ein Leben beendet, eigentlich wirdein von langer Hand geplanter Mord begangen. Das muss man sich bei jedem Fleischkauf vor Augen führen.

Wer Fleisch und andere Tierprodukte isst, muss sich bewusst machen, was damit zusammenhängt. Danach werden, so ließt man, einige zu überzeugten Vegetariern oder gar Veganern. Ich bin Fleischesser geblieben. Inzwischen aber eben aufgeklärter Fleischesser.  Jeder der gern Fleisch isst, sollte wenigstens Ähnliches von sich behaupten können

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4 Kommentare

Verfasst von - Juli 21, 2011 in Prinzipielles

 

4 Antworten zu “Der überzeugte Fleischesser

  1. Heilbringer

    August 6, 2011 at 19:52

    Soso….sie sind also überzeugter Fleischesser. Nur mal so eine Frage: Wie würden sie sich fühlen, wenn hochintelligente Aliens die Erde erobern, die Menschheit versklaven und sie sogar züchten würde nur um sie zu verspeisen….

    Nur durch Jagd kann Fleischkonsum in einem gewissen Rahmen, gerechtfertigt sein. Dies entspricht dem Gesetz der Natur. Wer ein Tier nicht selbst erlegen kann, aus physischen, vor allem aber auch aus ethischen Gründen, sollte kein Recht haben, dieses im Supermarkt zu erwerben und dabei auch noch Mitleid zu heucheln. Ob 3 oder 7 Euro ist dabei völlig irrelevant.

     
    • gutergeschmack

      August 15, 2011 at 13:02

      Wer Tiere aus Mitleid nicht essen will, kann natürlich gar kein Fleisch essen. Ob Jagd oder Supermarkt spielt hierbei keine Rolle. Ein gewisses Maß an Leid muss dem Lebewesen, dass man essen will zugefügt werden, man muss es schließlich töten. Aus diesem Grund muss das eigentliche Leben möglichst leidfrei gestaltet werden, dem Tier sollte ein besseres, weil zum geschlachtet werden bestimmtes Leben, als in freier Wildbahn ermöglicht werden. Eine gewisse Doppelmoral lässt bei diesem „Handel“ natürlich nicht wegdiskutieren. Letztendlich muss der Mensch kein Fleisch essen, es ist aber auch nicht falsch, wenn er es tut, denn Fleischesser müssen existieren um ein gewisses Gleichgewicht auf der Welt zu wahren. Dass der Mensch allerdings viel mehr Fleisch konsumiert, als dieses Gleichgewicht eigentlich hergäbe ist unstrittig und genau das ist der Punkt. Es geht nicht um askeseartigen Verzicht, sondern um Maßhalten. Es stellt allerdings die Frage, ob ein Mensch, der mit hochtechnisierten Waffen ein wildes Tier erlegen kann, in irgendeiner Weise dem Gesetz der Natur entsprechend sich als der Stärkere und damit als der rechtmäßige Fresser erweist. Die meisten Menschen sind auch nicht in der Lage ihren Strom selbst zu erzeugen oder ihr Abwasser selbst zu versorgen. Die Zivilisation entbindet das Individuum vom Selbstversorgungszwang. Nichtsdestoweniger stimme ich ihnen insofern zu, als dass der Akt des Tötens jedem Fleischesser bewusst sein muss und er sich entscheidet genau das zu unterstützen, wenn er im Regal nach einem Fleischpacket greift.

       
      • Heilbringer

        August 28, 2011 at 20:19

        Mitleid ist das falsche Wort. Würden Sie sagen, Sie essen andere Menschen nicht aus Mitleid? Sagen sie mir bitte nicht, Sie unterlassen dies nur augrund gesetzlicher Reglementierung. Vielmehr würde ich es als „Respekt vor dem Leben“ bezeichnen.
        Selbst bei der heutigen Jagd, muss der Jäger übrigens früh in der Witterung stundenlang auf der Lauer liegen um einen Hasen oder ein Reh zu schießen. Ähnliches gilt für Angler. Die ersten Male, kostet es den ein oder anderen wahrscheinlich sogar Überwindung, das Leben zu nehmen. Umso mehr wird der Jäger, dass von ihm erbeutete Fleisch, im Gegensatz zum Käufer von „chicken-wings“ im Supermarkt zu schätzen wissen und wird nicht die Hälfte in den Müll werfen. Insofern spielt Supermarkt oder Jagd sehr wohl eine Rolle.
        Dieser Aspekt geht meiner Meinung nach auch bei hochtechnisierten Waffen nicht verloren, vorrausgesetzt wir sprechen hier nicht von Sprengungen des Meeresgrundes um Fische zu „fangen“. Die Waffe des Menschen mag auf den ersten Blick vielleicht das hochtechnisierte Gewehr sein, wobei abstrahiert die Waffe des Menschen die Intelligenz ist und auch schon immer war. Des weiteren frage ich mich, wie sie einem Tier in der Gefangenschaft ein besseres Leben als in Freiheit ermöglichen wollen. Dieser Satz ist in sich paradox, da das dem Tier am besten zu ermöglichende Leben nur in seinem natürlichen Lebensrausm sein kann.

         
  2. gutergeschmack

    September 3, 2011 at 14:06

    Respekt vor dem Leben und Jagd miteinander in Einklang zu bringen, erscheint mir nur sinnvoll, solang das jagende Individuum auf die Nahrung, die es durch Jagd erhält, angewiesen ist. Das ist in unserer heutigen Gesellschaft absolut nicht der Fall. Der Respekt vor dem Leben kann nicht besonders groß sein, wenn man ihn für etwas Luxus hinten anstellt. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg fasste dieses Jahr den Entschluss nur noch Fleisch von selbst getöteten Tieren zu essen. http://bit.ly/pEuXrp
    Er scheint, ähnlich wie Sie, die Auffassung zu vertreten, nur die Tötung rechtfertige den Konsum. Es mag sein, dass diese Art der Auseinandersetzung zu einem bewussteren Genuss führt, der letztendlich die Einschränkung des Konsums bewirkt. Denn niemand der sich mit der Thematik des Fleisch essens ernsthaft auseinandersetzt kann behaupten es wäre sinnvoll oft viel Fleisch zu essen, vollkommen unabhängig davon, ob man selbst der Metzger war oder ob man das die Großschlachterei hat machen lassen. Aktuell braucht man nur nach Ostafrika zu schauen und man muss erkennen, dass Essen, das ein vielfaches (4-26 mal) an pflanzlicher Nahrung braucht, als es selber Nahrung liefert, ethisch schwierig zu rechtfertigen ist. Zumal gerade in diesen Entwicklungsländern große landwirtschaftliche Nutzflächen von den Industrienationen gepachtet werden und die darauf produzierte Nahrung exportiert wird. Oft genug für eine stetig wachsende indrustrielle Tierhaltung.
    Einem Tier ein besseres Leben in Gefangenschaft, als in Freiheit zu ermöglichen scheint wirklich paradox. Auf jeden Fall muss also ein Leben ermöglicht werden, das dem in Freiheit nah kommt. Massentierhaltung scheidet bereits hier aus. Man kann desweiteren versuchen, die Gefahren, denen ein Tier in freier Wildbahn ausgesetzt ist zu minimieren. Kein Hunger- oder Kältetod, keine Gefahr durch Fressfeinde und dem damit verbundenen oft grausamen Tod, keine (wenig) Krankheiten und bei vielen Jungtieren schließlich das eigentliche Leben, dass in freier Wildbahn aufgrund schlechter Umweltbedingungen gar nicht begonnen hätte. Das alles wird ersetzt durch ein Leben, das auf jeden Fall von einem Schlachter beendet wird. Ob erdiesen „Handel“ akzeptieren kann, muss der Konsument selbst entscheiden.

     

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