RSS

Archiv des Autors: jonashaut

Über jonashaut

Seit meinem zehnten Lebensjahr habe ich mich regelmäßig mit Essen auseinander gesetzt. Anfangs einfach durch Spaß am Backen und am Kochen, später dann immer mehr auch am Essen selbst. Seit einigen Jahren beschäftige ich mich intensiv mit den Hintergründen unserer Ernährung. Die einzelnen Produktionsschritte der Nahrungsmittel mit denen wir tagtäglich konfrontiert werden, zu kennen, halte ich für obligatorisch für jeden, der ein ernsthaftes Interesse an gutem Essen hat. Darum soll es auch in diesem Blog gehen, um gutes Essen. Das beinhaltet leider massive Kritik an der Lebensmittelindustrie und an den Ernährungsgewohnheiten in vielen Industrieländern. Das beinhaltet aber natürlich auch meine eigenen kulinarischen Erfahrungen und Experimente. Den ein oder anderen zum Nachdenken anzuregen, denn über Ernährung wird erschreckend wenig nachgedacht, könnte man wohl als mein erklärtes Ziel beschreiben.

The MC Chicken Project

Ich habe ein Kochbuch. Es heißt Modernist Cuisine: Die Revolution der Kochkunst. Wenige Eingeweihte wissen Bescheid, für alle anderen sei gesagt: Es ist ein sehr großes Kochbuch. Mit fünf Bänden und ca. 1500 Rezepten. Benötigtes Kochgeschirr: Zentrifuge, Autoklav, Kombidämpfer, Vakuumkammer.
An einer Stelle im Buch wird das Phänomen „Beer Butt Chicken“ behandelt. Warum ein ganzes Hähnchen mit einer Bierdose im Hintern gegart, besser schmeckt, als ein normal gebratener Vogel. Dabei geht es weniger um die Bierdämpfe die laut Grillexpertenmeinung das Huhn saftig halten sollen, sondern vielmehr um das aufrechte „Stehen“ im Ofen/Grill. Das ermöglicht es den austretenden Fleischsäften abzulaufen, was verhindert, dass die Haut feucht bleibt und nicht knusprig wird. Für die Feuchtigkeit im Fleisch (–>Saftigkeit) ist vor Allem die Temperatur verantwortlich. Je heißer, desto mehr Saftverlust, weil das Fleisch sich zusammenzieht und das Wasser rausgepresst wird. Lösung: Niedertemperaturgaren. Durchaus unspektakulär. Und altbekannt. Interessant ist die Vorbereitung des Hähnchens vor dem eigentlichen Garvorgang. In Modernist Cuisine wird das sogenannte Brining für das Hähnchen aus dem Kombi-Dämpfer verwendet. In Ermangelung eines solchen Geräts (ab ca. 3000€) hab ich das ganze im konventionellen Ofen versucht.
Beim Brining legt man das Fleisch in eine Salzlösung ein, das Salz diffundiert in das Fleisch und reagiert mit den Proteinen, so dass die beim Garen (also beim Heißwerden) mehr Feuchtigkeit halten können. Problem beim Huhn ist jetzt, dass man nicht will, dass die Haut mehr Feuchtigkeit hält, weil dann wird sie wabblig. Also so gummiartig.
Die Lösung ist ganz einfach: Man injiziert die 7%ige Salzlösung per Spritze in das Fleisch und hängt das Huhn im Kühlschrank an den Beinen auf um zu verhindern, dass es in dem bisschen an Saft rumliegt, der während dem Brining austritt. Bei meiner Konstruktion baumelte der Schlachtkörper an seinen zusammengebundenen Beinen über eine Schnur an einem Plastikhaken, den ich unfassbar innovativ mit Powerstrips an der Kühlschrankdecke festgepappt hatte. Vorher noch mit den Händen dem Vogel unter die Haut fahren, dass die nicht mehr an dem Fleisch klebt Das muss dann 48h hängen. Die Haut wird dabei ziemlich trocken, also entwässert und das ist super, weil dann wird’s knusprig.
Dann eine halbvolle Bierdose hintenrein und bei ca. 65C° für ca. 4h in den Ofen.

Ja, bei sechzig Grad. Das ist so wenig warm, dass man bequem den Kopf reinhalten kann. Ne Sauna hat ja 90 C°. Aber da bleibt man ja auch keine 4 Stunden drin.Das Fleisch erhitzt sich so langsam auf 60 C° und da für die letzten 5 Grad extrem viel Zeit gebraucht wird (bei meinem Versuch 1,5 h) ist das Huhn pasteurisiert. Ohne Thermometer für Kerntemperaturmessung ist die Technik offensichtlich kaum möglich. Zum Schluss Huhn raus, Ofen auf hart heiß, also Maximum und mal mindestens 20 Minuten aufheizen. Dann Huhn rein, bisschen mit Öl oder Butterschmalz bepinseln und warten, bis es schön braun ist. Der letzte Part sollte natürlich so kurz wie möglich dauern, weil das Fleisch sonst übergart und die ganze Party war nur für die hübschen Fotos.
Eine gleichmäßige Bräunung ist schwierig, weil so ein Ofen hinten viel heißer ist als vorne und oben viel heißer als unten. Man könnte vlt ne Lage Alufolie unten reinlegen, dann kriegen die Schenkel mehr Hitzestrahlung ab. Die Teile die man in ca. 7-15 min. braun bekommt, sind krass knusprig, das Fleisch ist saftig, insgesamt also awesome.

Advertisements
 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - November 5, 2012 in Uncategorized

 

Schlagwörter: , , ,

Auch in Fast Food Land USA tut sich was

Der ein oder andere wird vielleicht schon einmal etwas von Jamie Olivers Kampf gegen die schlechte Ernährung des Durchschnittsamerikaners gehört haben. Mit der Kampagne „Food Revolution“ versucht der britische Spitzenkoch die Essgewohnheiten vor Allem in den Schulmensen zu verändern. Dabei startete er in „America’s unhealthiest city“; Huntington, Virginia.
Auch in den kulinarischen Hochburgen California, respektive Oregon tut sich einiges. Bereits in den vergangenen Jahren gab es auf einer der zahlreichen Foodevents einige sehr interessante Vorträge zum Thema Ernährung, die auf ted.com als Videostream zur Verfügung stehen. Foodkolumnist und Blogger Mark Bittman spricht sehr eindrücklich über „whats wrong with what we eat“. Dabei geht es natürlich um den massiven Fleischkonsum der Industriestaaten und um die Schwierigkeit gute Produkte von schlechten zu unterscheiden. Ann Cooper hat sich, ähnlich wie Jamie Oliver, dem Engagement an den Schulen des Landes verschrieben. Sie spricht über die Zustände in den Mensen, die längst bekannte, aber wohl ignorierten Konsequenzen und wie einfach es ist, etwas zu ändern. Ein wenig augenzwinkernd sollte man Dan Barbers Foie Gras parable rezipieren. Schwer zu glauben, dass ein Vortrag über Gänsestopfleber eine sinnvolle Botschaft verwitteln kann. Aber die Geschichte vom Goose-Whisperer ist voller interessanter Ansätze und Ideen.

 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - November 1, 2011 in Aktuelles, Links

 

Zur Rose abziehen – Das Geheimnis von Milchspeiseeis

Zur Rose abziehen – Das Geheimnis von Milchspeiseeis

Die am meisten verbreitete und vielleicht beliebteste aller Eiscremes ist gleichzeitig auch die simpelste. Vanille-Eis besteht eigentlich nur aus der Milch, Sahne, Ei und Zucker, was gleichzeitig auch die Grundmischung für Milchspeiseeis darstellt, mit dem Zusatz von, man höre und staune, Vanille.

Für einen halben Liter (das sind bei 4 Personen so 1-2 Kugeln für jeden) benötigt man laut Grundrezept deutscher Spitzenköche (nach Johannes King, zwei Sterne Koch aus Sylt in der Sendung „Lanz kocht“ vom 28.01.2011) 250 ml Milch, 250 ml Sahne, 6 Eigelb, 70 Gramm Zucker, 1 Vanilleschote.
Diese Rezeptur hat mir lange Zeit Kopfzerbrechen bereitet. Sechs Eier sind auf vier Personen verteilt zwar nicht übermäßig viel, aber der Gedanke bei jeder Eisherstellung 6 Eiweiß übrig zu haben, die entweder langsam im Kühlschrank vergammeln oder zu Baisers verarbeitet werden, die ich prinzipiell nicht gerne esse, geschweige denn jedes Wochenende, begeistert mich überhaupt nicht. Außerdem ist Ei ein tendenziell eines der problematischsten Produkte, wenn man die Umstände bedenkt unter denen die meisten produziert werden. Hier hilft auf lange Sicht auch nur: Konsum reduzieren.
Glücklicherweise braucht man soviel Ei eigentlich gar nicht. Für das Eis interessant ist eigentlich nur das im Eigelb enthaltene Lecithin, ein Emulgator, also ein Stoff, der dafür sorgt, dass sich Wasser und Fett in der Eismasse besser miteinander verbinden. Die gefrieren somit nicht unterschiedlich und das Eis wird schön homogen, schmilzt gleichmäßig im Mund und löst sich nicht sofort in seine Bestandteile auf. Das Eiweiß braucht man nicht, man kann es also weglassen. Bei sechs Eiern sollte man das auch, außer man will unbedingt eine Geschmacksrichtung „Ei“ etablieren. So ein Eigelb enthält allerdings ganz schön viel Lecithin, Wissenschaftler behaupten für eine anständige Mayonnaise bräuchte man beispielsweise nur ein paar Tropfen Eigelb und trotzdem gibt es Rezepte mit bis zu 8 Eigelb auf einen Liter Öl. Mit Eigelb wird in der Kochszene anscheinend großzügig umgegangen. Angelehnt an die Grundrezeptur Johann Lafers (2 Eier, 2 Eigelb auf 500 ml Flüssigkeit) habe ich meine Grundmischung gefunden, bei der ich lediglich 2 Eier, diese allerdings komplett verwende.
Zur Rose abgezogen wird die Eismasse übrigens in allen Rezeptvariationen.

Der eigentliche Eisherstellungsprozesses

Zwei Eier mit 80 bis 100 Gramm Zucker über einem Wasserbad aufschlagen. Der Zucker ist entscheidend für die Konsistenz, bei 100 Gramm wird das Eis fast nicht mehr fest, dafür unglaublich cremig, mir persönlich allerdings einen Tick zu süß. Mit 80 Gramm anzufangen ist sicherlich vernünftig. Die Schüssel sollte der besseren Leitfähigkeit wegen aus Metall sein und nicht aus Plastik, der Topf kleiner als die Schüssel und das Wasser im Topf darf den Boden der Schüssel nicht berühren. Wasserbad ist ein irreführender Begriff. Eigentlich ist es eher ein Dampfbad. Wasser in den Topf, Schüssel drauf, auf den Herd und auf mittlere bis hohe Hitze stellen bis das Wasser siedet. Dabei die Ei-Zuckermischung immer wieder umrühren.
Zeitgleich bringt man in einem zweiten Topf 250 ml Sahne und 250 ml Milch mit einer aufgeschlitzten und ausgekratzten Vanilleschote, sowie deren Mark zum Kochen. Danach lässt man die Milchmischung ein bisschen ziehen und kümmert sich weiter um das Ei im Wasserbad, welches so langsam beginnt Temperatur anzunehmen. Die noch ziemlich heiße Milchgeschichte wird dann zum Ei gegeben. Ja, die Vanilleschote bleibt drin. Mehr Zeit in der Flüssigkeit, mehr Aroma im Eis. Es gibt keinen exakten Zeitpunkt oder eine besondere Temperatur, die eine der beiden Komponenten haben muss. Wichtig ist lediglich, dass die Milch nicht so heiß ist, dass sie die Eimischung auf über 80 Grad erhitzt. Das Ei stockt sonst und man bekommt Rührei. Die Milchmischung langsam einzurühren ist auch zu empfehlen.
Hat man beide Komponenten erfolgreich zusammengebracht, folgt nun der spannendste Teil. Man muss die Masse zur Rose abziehen.

Zur Rose abziehen, heißt langsam erhitzen und stetig in Bewegung halten

Man erhitzt alles so lange bis zu einer Konsistenzänderung kommt. Das flüssige Voreis wird puddingartig dicklich. Dieser Viskositätszuwachs ist sehr deutlich. Taucht man nun einen Löffel in die Eismasse und pustet schräg auf dessen Rückseite sollte sich etwas bilden, das entfernt an Rosenblüten erinnert. Alternativ kann man mit dem Finger einen Strich durch die am Löffel haftende Masse ziehen, dessen Ränder nicht verlaufen dürfen. Dann hat man die Creme zur Rose abgezogen.Wenn man keine rosenartigen Assoziation herstellen kann, deutet das wahrscheinlich eher auf einen Fantasie- als auf einen Kochbegabungsmangel hin, wichtig ist, wie bereits erwähnt, das deutliche Eindicken der Masse. Das passiert übrigens in Temperaturregionen, die gefährlich nah am Rühreibereich liegen. Das Erhitzen sollte also nur so schnell voran gehen, wie man auch rühren kann. Wie der Begriff schon andeutet, geht es dabei eher um ein Abziehen, also darum Masse mit einem Spatel vom Schüsselrand wegzubewegen, als um ein wirkliches Rühren. Die Benutzung eines Schneebesens ist nicht zu empfehlen, da so viel Schaum entsteht und man die Konsistenz der eigentlichen Creme nicht mehr so gut beurteilen kann. Es ist im Übrigen der Qualität des Eises nicht abträglich, wenn doch mal etwas Ei stockt und dann in kleinen Klümpchen in der Masse herum schwimmt. Wird eh alles durch ein Sieb gegossen. Je mehr Ei allerdings in den festen Zustand übergeht, desto weniger Eis hat man nachher. Rein quantitativ ist es also durchaus von Interesse, dass das Ei nur andickt, aber eben nicht fest wird. Übungs- und Konzentrationssache. Nach dem Siebdurchlauf kommt das Eis seiner Bestimmung erstmals wirklicher näher. Es wandert in den Kühlschrank, wo es mindestens Raumtemperatur, besser die des Kühlschranks, annehmen sollte, wenn man den Kühlakku seiner Eismaschine nicht überfordern will (Das Eis wird dann nicht frieren). Das Eis sollte also das erste sein, was man zubereitet, noch bevor man sich den restlichen Gängen widmet. Wer mit Kompressor arbeitet, kann natürlich 70 Grad heißes Zeug abfrieren, entsprechend Zeit und Energie wird dann eben benötigt.

zur Rose abziehen Video

Der Vorgang des zur Rose abziehen. wird an vielen Stellen auf verschiedenste Art und Weise dargestellt. Wirklich verstehen, was zur Rose abgezogen bedeutet, kann man aber erst, wenn man es einmal gesehen hat. Ich werde deshalb in nächster Zeit ein „zur Rose abziehen Video“ veröffentlichen, wo ich die wesentlichen Arbeitsschritte und vor Allem, die entscheidenden beobachtbaren Effekte darzustellten versuche.

 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - Oktober 7, 2011 in Leckeres

 

cookies richtig backen

Als erstes Rezept präsentiere ich meine persönlichen Lieblingscookies. Das Rezept ist an die „Butter-Pecan-Cookies“ aus der iPhone-App „KOCHEN!“ angelehnt.

Zutaten (10-12 Cookies)

  • 100g kalte Butter
  • 100g Puderzucker
  • 80g Zucker
  • 1/2 TL Salz
  • 175g Mehl (Typ 405)
  • 1 TL Backpulver
  • 1 Ei
  • bis zu 200g Schokolade, Nüsse oder ähnliches

Wer Cookies richtig backen will, hat meistens das amerikanische Original irgendwo mal probiert. Eine der bekanntesten Adressen hierzulande ist wohl die Fast-Food-Kette „Subway“. Die Cookies dort sind handtellergroß, sehr flach und niemals wirklich knusprig, so wie man das von herkömmlichen Keksen eigentlich gewohnt ist. Richtige amerikanische Cookies haben immer einen weichen, leicht klebrigen Kern. In der industriellen Produktion wird das durch die omnipräsenten E-Zusatzstoffe erreicht, die wahrscheinlich auch in der Subwayteigmischung enthalten sind. Reine Spekulation natürlich.

Cookies richtig backen ist aber auch zuhause und ohne Zusätze möglich, wenn man sich von zwei Grundprinzipien der deutschen Backküche verabschiedet.

  1.  Die Cookies dürfen keine bis kaum bräunliche Färbung annehmen.
  2. Der Teigtest, bei dem man das Backwerk mit einem Holzspieß einsticht und prüft, ob noch Teigreste kleben bleiben, funktioniert nicht

Ersteres widerspricht zwar dem ursprünglichen Rezept, wo von einer goldgelben Färbung gesprochen wird, die erreicht werden soll. Das gibt dann Kekse, schön knusprig und krümelig, aber halt keine Cookies.

Aber kommen wir zum eigentlichen Rezept.

  • 100g kalte Butter mit 100g Puderzucker und 80g Zucker und 1/2 TL Salz verkneten
  • 175g Mehl und einen TL Backpulver darüber sieben und einarbeiten
  • man sollte relativ zügig arbeiten, weil die Butter mit zunehmender Wärme immer klebriger wird und der Teig irgendwann kaum noch zu bearbeiten ist.
  • Dann kommt der beste Teil: Bis zu 200g an Schokolade, grob gehackter Nüsse, Krokant o.ä. kann in den Teig kneten bevor man noch 1 Ei dazu gibt. Ich verwende meistens Überresste von anderen Rezepten oder übrig gebliebene Osterhasen, Weihnachtsmänner und was es da noch so alles aus Schokolade gibt. Welche Art von Schokolade hängt vom persönliche Geschmack ab. Mischen geht auch. Ist sie weiß, muss man die Cookies gut beobachten, da weiße Schokolade schnell mal verbrennt
  • Der Teig ist spätestens jetzt ziemlich klebrig und lässt sich nur unter Einsatz von Mehl zu einer 5cm dicken Rolle formen, die man in Frischhaltefolie gewickelt in den Kühlschrank packt.
  • Nach 1 Stunde wieder auswickeln, 2cm dicke Scheiben abschneiden und die dann aufs Backblech (mit Backpapier versteht sich)
  • Ca. 160 Ober-/Unterhitze, 15 bis 25 Minuten

Wichtig: die Teile werden beim Backen bis zu 10 cm Durchmesser erreichen. Das sollte man beachten, will man Knautschzonen vermeiden. Ich verwende zwei Bleche, was zum Einen den Vorteil hat, dass sich maximal 6 Cookies pro Blech kaum in die Quere kommen, zum Anderen, weil beim unteren Blech so gut wie keine Bräunung zustande kommt (gut!). Nach 5-10 Minuten tauschen meine Bleche die Position und sobald das obere die ersten Anzeichen einer Bräunung bekommt, sind die Cookies fertig. Im heißen Zustand sind sie fast noch flüssig, aber lässt man sie abkühlen, bekommen sie genau die Konsistenz, die man haben wollte. Ein Schuss Milch oder saure Sahne im Teig kann helfen, die Cookies weniger knusprig werden zu lassen, aber die ganze Freude hängt letztendlich doch vom gelungen Backakt ab.

Übrigens: Die Original-Rezeptur will unbedingt, dass man dem Teig noch gemahlene Pekannüsse hinzufügt. Davon rate ich ab, weil die feinen Nussstückhen dazu führen, dass der Teig sehr feinkrumig, also sehr dicht wird und damit die gewünschte softe Struktur richtig gebackener Cookies verhindert.

 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - August 2, 2011 in Leckeres

 

Start von Lebensmittelklarheit.de

Am 20. Juli ging die lange erwartete Verbraucherplattform lebensmittelklarheit.de online. Die ersten Tage gestalteten sich wohl etwas komplizierter, als sich der Betreiber (der Bundesverband der Verbraucherzentralen) das gedacht hatte. Von mehr als 20.000 Anfragen pro Sekunde war die Rede, die Sprecherin des Verbandes spekulierte gar über einen gezielten Hackerangriff. Wenn da mal nicht die Ernährungsindustrie dahinter steckte. Die war nämlich schon seit der Ankündigung von lebensmittelklarheit.de gegen das Projekt Sturm gelaufen. Und allein das ist schon ein gutes Zeichen.

Idee des Internetportals ist schnell erklärt. Ähnlich wie auf der von der Verbraucherorganisation foodwatch betriebenen Seite abgespeist.de sollen Verbraucher die Möglichkeit bekommen, Produkte „an den Pranger zu stellen“, um mal die Foodlobby zu zitieren. Ist man also der Meinung, das beispielsweise die Aufmachung der Verpackung bzw. die Art wie das Produkt beworben wird, nicht mit dem Inhalt übereinstimmt, kann man das als Täuschungsversuch deklarieren. Die Verbraucherzentrale prüft diese Angabe und konfrontiert den Hersteller mit den Vorwürfen. Dieser sollte möglichst innerhalb von sieben Tagen dazu Stellung nehmen, was dann zusammen mit einer Bewertung auf lebensmittelklarheit.de publiziert wird. Verbraucherschutzministerin Aigner spricht von einem „fairen und sachlichen Austausch zwischen Verbrauchern und Wirtschaft“.Das ganze wird in drei Kategorien aufgeteilt.

1. Getäuscht?

Jede Art von Mogelei kann man hier anklagen. Vollkommen egal, ob es sich um nicht der Aufmachung entsprechenden Inhalt, kaum leserliche Zutatenlisten oder schlicht um falsche Hoffnungen handelt, die das Produkt weckt. Der Vorwurf wird von den Verbraucherschützern geprüft und gegebenenfalls mit einer Änderungsaufforderung an den Hersteller weitergeleitet. Das ist ein klarer Knackpunkt, zum Einen, weil diese Prüfinstanz festlegt, ob eine Täuschung vorliegt oder nicht, zum Anderen, weil jeder Verbraucher andere Erwartungen an ein Produkt hat, was zu einer Flut von Protestmeldungen führen wird, die kaum alle zu einem Ergebnis führen können.

2. Geändert

Hier werden die Produkte aufgelistet, bei denen der jeweilige Hersteller auf die Kritik reagiert und eine Änderung vorgenommen hat. Beispielsweise beschränkt  sich ein Kaffeehersteller bei seinem „klassischen“ Kaffee wieder auf 100% Kaffe als Zutat und verzichtet auf Maltodextrin und Karamell. Andere vergrößern die Schrift oder ändern die Beschreibung der Packung.

3. Erlaubt

Dieser Kategorie stehe ich mit viel Skepsis gegenüber. Hier kommentieren die Verbraucherschützer Produkte, deren Inhalt zwar offensichtlich nicht mit der Beschreibung übereinstimmt, was aber in diesen Fällen nicht dem Gesetz widerpsricht. Beispielsweise darf man Wiener-Würste mit mind. 15% Kalbfleisch Kalbswiener nennen, auch wenn sie dann eben zum Großteil aus Schweinefleisch bestehen. Ähnlich darf sich ein Käse Ziegenkäse schimpfen, wenn er zu 15% Ziegenmilch enthält. Von welchen Tier die restliche Milch kommt, muss nicht mal aufgeführt werden, Allergiker freuen sich riesig. „Erlaubt“ hat das zweifelhafte Potenzial zu einer Art Abstellgleis zu degenerieren, wo man alle Produkte hinschiebt, bei denen eine ordentliche Herstellung bzw. Kennzeichnung einer gesetzlichen Neuregelung bedürfte. Wann die Verbraucherschützer eine Konsumententäuschung für einenBetrugsversuch und wann für eine legitime Deklaration halten, ist ziemlich unklar. Letztendlich ist ja eigentlich alles, was da so an Inhalts- und Verpackungsschindluder getrieben wird, leider irgendwie legal.

Die Plattform wird  vom Bundesministerum für Verbraucherschutz(BMELV) unterstützt. Ministerin Aigner formuliert das Ziel von lebensmittelklarheit.de in einer Pressekonferenz  als Versuch eine Übereinstimmung zwischen Inhalt und Präsentation eines Produkts zu erreichen. Frei nach dem Motto: „Was draufsteht, muss auch drin sein.“ Da sie nach dem Dioxinskandal Anfang des Jahres einiges an Verbrauchersympathien wieder zurückgewinnen muss, dürfte allerdings zu einem nicht ganz unerheblichen Teil zu ihrem Engagement beitragen.  Dass erstmal keine gesetzlichen Neuregelungen geplant, überrascht mich kaum. Man muss befürchten, dass die Rubrik „Erlaubt“zu der Lücke wird, die letztendlich verhindert das Lebensmittelbetrug, der gesetzlich erlaubt ist, verhindert werden kann.

Lediglich das Verbraucherinformationsgesetz wurde überarbeitet. Die Änderungen beziehen sich allerdings auf den bereits erwähnten Dioxinskandal. So soll z.B. eine „Verpflichtung zur zwingenden Veröffentlichung aller Verstöße gegen gesetzliche Vorschriften“ eine besser informierte Öffentlichkeit schaffen. Hier geht’s also darum, dass illegales Treiben im Zusammenhang mit Nahrungsmittelproduktion öffentlich gemacht werden muss. Beeindruckend. Mit dem Versuch Produktinszenierungen auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen hat das leider nichts zu tun. BMELV-Ministerin Aigner behauptet, man werde gesetzliche Regelungen überdenken, sobald man über lebensmittelklarheit.de ein Bild bekommen habe, „wo den Verbrauchern der Schuh drückt“. Man darf gespannt sein.

 
Ein Kommentar

Verfasst von - Juli 31, 2011 in Aktuelles

 

Der überzeugte Fleischesser

Ich bin kein Vegetarier. Ich bin es nie gewesen und aller Wahrscheinlichkeit nach, werde ich es auch nicht so bald werden. Tofuwürste und Sojaschnitzel finde ich, ehrlich gesagt, lächerlich. Veganer habe ich bis vor ein bis zwei Jahren als durchgeknallte Spinner betrachtet. Auch heute noch bin ich der Meinung, dass man die Welt nicht besser macht, wenn man seine Kuchen mit industriellem Ei-Ersatz (meistens bestehend aus Stärke, Cellulose und Pflanzenöl) backt, weil man unbedingt auf jegliches Tierprodukt verzichten möchte. Ich bin überzeugter Fleischesser.

Dabei habe ich eigentlich alles versucht, um das zu ändern. Wer sich mit der Herkunft und der Produktion seiner Lebensmittel außeinandersetzen will, kommt man kaum um einige „Standardwerke“ herum. In Büchern wie „Eating Animals“ und „Anständig Essen“ haben die Autoren (i.d.F. Jonathan Safran Foer, Karin Duwe) viel Zeit indetaillierte Recherche und deren leserfreundliche Aufarbeitung investiert, so dass man schnell einen ziemlich guten Überblick über die Produktion tierischer Lebensmittel (hauptsächlich Fleisch) bekommt. Das heißt im Klartext: Man wird seitenweise schockiert, man empört sich, letztendlich ist man frustriert. Noch eindrücklicher, weil bildgewaltiger gestalten sich in diesem Zusammenhang Filme wie „Food inc.“, „Good Food Bad Food“, „We feed the World“ etc.. Kein halbwegs vernünftiger Mensch kommt dann noch umhin zu erkennen, dass Massenproduktion keine guten Produkte liefert. Weder was Qualität noch was einen ethisch korrekten Umgang mit dem entsprechenden Vieh geht. Was da wie genau falsch läuft würde an dieser Stelle natürlich zu weit führen. Die Auseinandersetzung mit diesem Thema führte auch bei mir zu einer Neubewertung des eigenen Fleischessens.

Fleisch aus Massenproduktion ist schlecht. Also muss es Fleisch aus traditioneller, nachhaltiger Zucht sein. Das ist teurer, weil es länger dauert, mehr Platz braucht und weniger effizient ist. Außerdem kann die heute bestehende Nachfrage mit so produziertem Fleisch wohl kaum befriedigt werden. Das bedeutet, dass man den Konsum reduzieren muss. Dann kann man sich die teureren Produkte auch eher leisten (Nicht fünf Stück Fleisch à 3 Euro, sondern zwei à 7,50). In letzter Konsequenz wird für denGenuss von Fleischprodukten ein Leben beendet, eigentlich wirdein von langer Hand geplanter Mord begangen. Das muss man sich bei jedem Fleischkauf vor Augen führen.

Wer Fleisch und andere Tierprodukte isst, muss sich bewusst machen, was damit zusammenhängt. Danach werden, so ließt man, einige zu überzeugten Vegetariern oder gar Veganern. Ich bin Fleischesser geblieben. Inzwischen aber eben aufgeklärter Fleischesser.  Jeder der gern Fleisch isst, sollte wenigstens Ähnliches von sich behaupten können

 
4 Kommentare

Verfasst von - Juli 21, 2011 in Prinzipielles

 

Interssante Links

Im ersten „News“ Eintrag versuche ich mal eine Liste interessanter Links zum Ernährung zusammenzustellen. Die jeweiligen Seiten haben oft direkt mit Landwirtschaft zu tun, da die wirklich entscheidenden Fragen nunmal den Agrarsektor betreffen (z.B. wie wird was, wo produziert, was kostet das und was wären die Alternativen bzw. was sind die Probleme).

Auf http://meine-landwirtschaft.de/ haben zwanzig Initiatoren ein Aktionsbündnis gegründet, dabei sind unter anderem Bioland und demeter, attac, der wwf und Brot-für-die-Welt. Anlass ist die gemeinsame Agrarpolitik der EU nach 2013, die 2011 beschlossen wird. Die Initiative biedet eine gute Informationsgrundlage und mehrere Möglichkeiten aktiv zu werden, beispielsweise den Appell gegen Massentierhaltung. Sobald man sich nur ein wenig informiert, kommt man unweigerlich zu dem Schluss, dass die konventionelle Massentierhaltung wie sie in Deutschland praktiziert wird, weder artgerecht (was laut Gesetz eigentlich Pflicht ist), noch in irgendeiner Weise dem Verbraucher dienlich ist (mehr dazu in „Prinzipielles“).

Außerdem bietet http://meine-landwirtschaft.de/  zahlreiche Informationen bezüglich des politischen Prozesses, sowie eine Übersicht über diverse Aktionen, die 2011 stattfinden.

 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - Mai 13, 2011 in Aktuelles, Links